John Come Kiss

Gemeinsam mit der Sopranistin Anna Feith erweckten wir das London der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts musikalisch zum Leben. Es erklangen Werke von Henry Purcell, Matthew Locke, Nicola Matteis u.a.

Idee & Konzeption: Julia Scheerer

Die Sopranistin Anna Feith hat an der Hochschule für Musik Würzburg bei Frau Prof. Monika Bürgener sowohl ihr Diplom Musiktheater als auch ihren Master Konzertgesang absolviert. Zudem prägten sie Meisterkurse bei Emma Kirkby, Juliane Banse, Camilla Nylund und Markus Schäfer. Seit 2017 ist sie vorrangig als Konzert- und Liedsängerin deutschlandweit zu hören und besticht mit einem fassettenreichen Repertoire von Alter bis Neuer Musik. So ist sie regelmäßig für gängige Konzert- und Oratorienpartien wie Weihnachtsoratorium“ oder „Johannespassion“ von J. S. Bach, „Messiah“ von G. F. Händel, „Requiem“ oder „Exultate,Jubilate“ von W. A. Mozart oder „Die Schöpfung“ von J. Haydn engagiert, wie auch für seltener zu hörende Werke wie „The light of light“ von E. Elgar, „Les enfants à Bethlehéem von G. Pierné oder die „Missa Resurrectionem“ von Naji Hakim. Des Weiteren ist sie bei zahlreichen CD-Weltersteinspielungen von Messen und Opern des Komponisten Johann Simon Mayr für das Label NAXOS beteiligt.

Neben ihrer solistischen Tätigkeit wirkt sie in professionellen Ensembles wie „Vocalconsort Berlin“ mit und gehört zur Stammbesetzung von „Chorwerk Ruhr“, wo sie ebenfalls solistische Aufgaben übernimmt wie das „Pie Jesu“ aus dem „Requiem“ von G. Fauré in der Philharmonie Essen mit den Bochumer Symphonikern. Weitere Projekte führten sie in die Berliner Philharmonie, in die Kölner Philharmonie, das Konzerthaus Dortmund, das Anneliese-Brost-Musikforum Bochum, das DeSingel Antwerpen, das Amsterdam Muziekgebouw oder auch an die Komische Oper Berlin.

Zum Programm:

Zur Zeit der Stuart-Restauration (1660-1689) war London nicht nur ein politisch und historisch äußerst interessanter Ort, auch in musikalischer Hinsicht spielte sich in dieser Zeit dort Faszinierendes ab.

Henry Purcell, schon zu Lebzeiten als Orpheus britannicus gefeiert und unbestritten einer der bedeutendsten englischen Komponisten, wurde 1659 in eine Musikerfamilie hineingeboren und lernte sein Handwerk als Chorknabe an der Chapel royal. Kompositionsunterricht hatte er später unter anderem bei
einem Lully-Schüler, aber vermutlich auch bei Matthew Locke, einem
Freund der Familie. Lockes Schauspielmusiken, masques und seine für die Zeit der Restauration so typischen englischen Semi-Opern hatten für Purcells eigenes musikdramatisches Schaffen sicherlich Vorbildfunktion und sind eine Wiederentdeckung wert. Im Konzert spielen wir sowohl Ausschnitte aus Lockes Semi-Oper „Psyche“, als auch Musik aus Purcells „King Arthur“ und „Dido und Aeneas“.

Während dieser ersten Glanzzeit des englischen Musiktheaters florierte in London aber auch die bürgerliche Musikkultur, wodurch Musikverleger wie John Playford zu Reichtum gelangten. Er verlegte ein breites Spektrum relativ einfacher Musik, die sich in erster Linie an Laienmusiker richtete, wodurch sich im England des 17. und 18. Jahrhunderts das Musizieren zu einem Freizeitvergnügen entwickeln konnte. Playfords 1651 publizierte Sammlung „The English Dancing Master“, versammelt country dances der britischen Inseln nebst Tanzanleitungen und erlangte so große Popularität, dass sie sich über 70 Jahre in insgesamt 24 Auflagen ununterbrochen verkaufte. Die darin enthaltenen, teils schon sehr alten Melodien waren wiederum Grundlage für Kompositionen, wie sie sich in der 1684 ebenfalls von Playford herausgegebenen Sammlung „the division violin“ finden. Hier bilden die einfachen Melodien und ostinaten Bässe der Tänze die Basis für Diminutionen, die die Improvisationspraxis der Zeit lebendig einfangen. Titelgebend für unser Programm ist die damals populäre Melodie „John come kiss“, über die sich verschiedene Diminutionen in der Sammlung finden.

Bereichert wurde das Londoner Musikleben außerdem durch ausländische Musiker wie den Italiener Nicola Matteis, der ab 1672 in London als Künstler und Lehrer tätig war. Er veröffentlichte zwischen 1676 und 1687 in vier Bänden „Ayrs for the violin“, die sich durch kantable Melodik und virtuose Geigentechnik auszeichnen.

Das Konzert wurde gefördert von: